
Historische Klarinetten und historische Aufführungspraxis

In mehr als zwei Jahrzehnten Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim entwickelte Evgeni Orkin eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage, welchen Einfluss historische Instrumente auf Klangvorstellung, Spieltechnik und musikalisches Verständnis im Instrumentalunterricht haben können.
Aus der zunächst pädagogischen Beschäftigung entstand im Laufe der Jahre ein eigenständiges künstlerisches und forschendes Arbeitsfeld. Historische Klarinetten und Chalumeaux werden dabei nicht als museale Spezialinstrumente verstanden, sondern als unmittelbare Quelle für Klang, Artikulation, Phrasierung und musikalische Sprache.
2018 erschien Orkins Buch „Methodische Einführung in das Erlernen und die Anwendung der historischen Klarinette in historisch informierter Aufführungspraxis“. Es verbindet organologische und aufführungspraktische Grundlagen mit einer systematischen Spielmethodik sowie eigens dafür komponierten Übungen und Etüden. 2019 folgte die englische Ausgabe „A Methodical Approach to Learning and Playing the Historical Clarinet and Its Usage in Historical Performance Practice“.
Seither wurde diese Arbeit kontinuierlich erweitert. Neben der Beschäftigung mit Originalinstrumenten und historischen Bauformen entwickelt und baut Orkin heute auch eigene Rekonstruktionen und Instrumentenkonzepte, darunter Chalumeaux nach historischen Vorbildern sowie eigenständige Weiterentwicklungen. Dadurch verbindet sich die praktische Erforschung historischer Instrumente unmittelbar mit seiner Tätigkeit als Interpret, Pädagoge und Komponist.
Auch in seinem kompositorischen Schaffen spielt diese Erfahrung zunehmend eine Rolle. Werke wie das Oratorium „Briefe aus dem Schatten“, das historische Instrumente und ihre spezifische Klangwelt einbezieht, führen historische Aufführungspraxis und zeitgenössische musikalische Sprache zusammen.

Methodische Einführung in das Erlernen und die Anwendung der historischen Klarinette Zweite verbesserte Ausgabe Dieses praxisorientierte Buch richtet sich an Klarinettistinnen und Klarinettisten, die sich mit historischen Instrumenten und historisch informierter Aufführungspraxis beschäftigen möchten. Es vermittelt einen Überblick über die Entwicklung der Klarinette und behandelt zentrale Fragen zur Wahl und praktischen Anwendung historischer Instrumente. Grafisch dargestellte Grifftabellen für unterschiedliche Instrumententypen werden durch eigens entwickelte tägliche Übungen und Etüden ergänzt, die gezielt auf charakteristische grifftechnische und spielpraktische Besonderheiten historischer Klarinetten eingehen. Hinweise aus der Aufführungspraxis, ein Repertoireführer sowie Empfehlungen zu weiterführender Fachliteratur verbinden historische Information mit unmittelbar anwendbarer Spielpraxis. Das Buch ist damit zugleich Einführung, Übemethode und Nachschlagewerk für die praktische Arbeit mit der historischen Klarinette.
A Methodical Approach to Learning and Playing the Historical Clarinet History, Practical Experience, Fingering Charts, Daily Exercises and Studies, Repertoire and Literature Guide — 2nd Edition This practice-oriented book is intended for clarinetists wishing to explore historical instruments and historically informed performance practice. It provides an overview of the historical development of the clarinet and addresses essential questions concerning the choice and practical use of period instruments. Clearly presented fingering charts for different categories of historical clarinets are complemented by specially designed daily exercises and studies, focusing on the characteristic technical and fingering challenges of these instruments. Practical advice drawn from performance experience, a repertoire guide, and references to further specialist literature connect historical knowledge with everyday playing. The book therefore serves as an introduction, a practical method, and a reference guide for musicians working with the historical clarinet.
Методичний підхід до вивчення та використання історичного кларнета в історично обґрунтованій виконавській практиці Ця практично орієнтована книга призначена для кларнетистів, які прагнуть познайомитися з історичними інструментами та принципами історично обґрунтованого виконавства. Видання містить огляд розвитку кларнета та розглядає основні питання вибору й практичного використання історичних інструментів. Наочні аплікатурні таблиці для різних типів історичних кларнетів доповнені спеціально створеними щоденними вправами та етюдами, спрямованими на характерні технічні й аплікатурні особливості цих інструментів. Практичні рекомендації, що ґрунтуються на виконавському досвіді, огляд репертуару та посилання на спеціальну літературу поєднують історичні знання з безпосередньою музичною практикою. Книга може слугувати водночас вступом, практичною методикою та довідником для роботи з історичним кларнетом.
Instrumente
Aus dieser langjährigen Auseinandersetzung mit historischer Aufführungspraxis entstand eine umfangreiche Sammlung originaler Klarinetten und verwandter Instrumente aus der Zeit von etwa 1770 bis 1930. Viele dieser Instrumente wurden bereits in Konzert- und Aufnahmeprojekten eingesetzt und sind damit nicht nur Sammlungsobjekte, sondern Teil einer lebendigen musikalischen Praxis.
Restaurierung, Austausch und instrumentenkundliche Forschung führten zugleich zu einer engen Zusammenarbeit mit spezialisierten Instrumentenbauern, Restauratoren und Sammlern, darunter die Familie Tutz, Riccardo von Vittorelli, Frank Bernhard und Jochen Seggelke.

Ausgewählte historische Instrumente

Chalumeau Consort Orkin auf 415´
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Dieses Chalumeau-Consort wurde von Evgeni Orkin selbst entworfen und gebaut. Als Vorbilder dienten für Sopran und Alt Instrumente von J. C. Denner, für Tenor und Bass ein Paar Chalumeaux von Kleinig, Deutschland, ca. 1720–1730.
Historisch sind vereinzelt Chalumeaux und Klarinetten aus Elfenbein überliefert. In Anlehnung an diese Tradition wurden die hellen Instrumente aus Elfenbeinimitat gefertigt und greifen damit die exklusive Ästhetik solcher historischen Instrumente auf.
Das Bassoon de Chalumeau „Katana“ ist eine eigene Entwicklung Orkins, inspiriert von japanischer Ästhetik und seinem Telemann-/Shakuhachi-Projekt.





Baroque Orkin auf 415'
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Diese vier Klarinetten in D, C, B und A wurden von Evgeni Orkin nach Vorbildern früher Barockklarinetten entworfen. Die zweiklappigen Modelle in D und C orientieren sich insbesondere an den selten erhaltenen Elfenbeinklarinetten von Georg Heinrich Scherer aus Butzbach, dessen Instrumente aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu den frühesten erhaltenen Klarinetten zählen. In Anlehnung an diese außergewöhnliche Tradition wurden die hellen Instrumente aus Elfenbeinimitat gefertigt.
Das dreiklappige Modell in B ist von einer frühen Amsterdamer Klarinette aus dem Umfeld Jan Boekho(u)ts, um 1718, inspiriert; das A-Modell stellt eine etwas weiterentwickelte Bauform dar. Beim B-Instrument wird die zusätzliche Klappe mit dem rechten Daumen, beim A-Instrument mit dem linken kleinen Finger bedient. Ein um 1718 datiertes zweiklappiges C-Instrument wird in der Forschung Jan Boekhout zugeschrieben.
Die vier Modelle tragen die Namen von Komponisten, deren Musik mit diesen Instrumenttypen verbunden ist: Molter (D), Vivaldi (C), Stamitz (B) und Rameau (A).





Drei englische klassische Klarinetten, London, ca. 1798–1815 auf 430'
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Diese drei originalen Londoner Klarinetten repräsentieren sehr charakteristisch den englischen Klarinettenbau um 1800. Es handelt sich um eine A-Klarinette von Longman, Clementi & Co., London, ca. 1798–1801, eine B-Klarinette von James Wood, London, ca. 1800, sowie eine C-Klarinette von Metzler, London, ca. 1812–1815. Alle drei Instrumente werden bei etwa a¹ = 430 Hz gespielt.
Typisch für englische Klarinetten dieser Zeit ist die charakteristische Verdickung am Unterstück im Bereich des rechten kleinen Fingers, in der Teile der Klappenmechanik gelagert sind. Bei der frühen A-Klarinette von Longman, Clementi & Co. ist diese Form noch besonders rund und ausgeprägt – ein Merkmal, das bei englischen Klarinetten des späten 18. Jahrhunderts häufig anzutreffen ist. Vergleichbare englische Instrumente werden in Museumskatalogen ausdrücklich mit einer bell-shaped swelling im Bereich der Klappen für den rechten kleinen Finger beschrieben.
Auch die Klappenausstattung zeigt die Entwicklung dieser Zeit. Die zusätzliche sechste Klappe für den A–H-Triller – in englischen Quellen als A–B-natural trill oder A/B shake bezeichnet – war bei frühen englischen Klarinetten noch nicht durchgehend vorhanden und setzte sich erst allmählich als Bestandteil der erweiterten klassischen Klappenmechanik durch.
Longman, Clementi & Co. entstand 1798, als Muzio Clementi in die traditionsreiche Londoner Firma Longman eintrat. Die Firmenbezeichnung Longman, Clementi & Co. wurde nur bis 1801 verwendet. Die auf der Klarinette erhaltene Marke “LONGMAN CLEMENTI & COMPY / No 26 CHEAPSIDE / LONDON” erlaubt daher eine ungewöhnlich genaue Datierung auf 1798–1801. Ein nahezu identisch bezeichnetes Instrument befindet sich heute in der Bate Collection in Oxford.
James Wood begann seine Tätigkeit als Londoner Holzblasinstrumentenmacher um 1799. Er wurde zu einem wichtigen Vertreter des englischen Holzblasinstrumentenbaus und war insbesondere auch für seine Klappen und Mundstücke bekannt. Bereits 1800 ließ er eine technische Verbesserung im Instrumentenbau patentieren. Die Datierung der hier gezeigten B-Klarinette auf ca. 1800 passt daher sehr gut in die früheste Phase seiner selbständigen Tätigkeit.
Valentine Metzler, ursprünglich aus Bingen am Rhein, ließ sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts in London nieder und arbeitete dort als Holzblasinstrumentenmacher. Die Marke “METZLER / LONDON / 105 WARDOUR ST.” ist besonders hilfreich für die Datierung: Metzler ist an dieser Adresse ab etwa 1812 nachweisbar. Die C-Klarinette dürfte daher ungefähr 1812–1815 entstanden sein und zeigt bereits die etwas weiterentwickelte Form des englischen klassischen Klarinettenbaus.
Alle drei Instrumente wurden auch für die Aufnahme des Albums „WanderVirtuose“ verwendet. Zusammen dokumentieren sie auf besonders anschauliche Weise die Entwicklung der englischen Klarinette von den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts – von der noch deutlich gerundeten frühen Bauform bis zur zunehmend standardisierten sechsklappigen klassischen Klarinette.





Vier frühromantische Klarinetten mit Vierkantklappen – B, A, C und Es, um 1820 auf 430'
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Diese vier Instrumente zeigen charakteristische Entwicklungsstufen der Klarinette im Übergang von der Klassik zur frühen Romantik. Besonders auffällig sind die flachen, rechteckigen beziehungsweise quadratischen Klappendeckel und die zunehmende Zahl zusätzlicher Klappen – Merkmale einer Zeit, in der die Klarinette technisch immer weiter ausgebaut wurde und zugleich noch deutlich regionale Bauformen erkennen lässt.
Die B-Klarinette ist ein anonymes Originalinstrument, wahrscheinlich aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Ihre zahlreichen Vierkantklappen und die noch deutlich handwerklich-individuelle Gestaltung der Mechanik sind charakteristisch für die frühromantische Klarinette um 1820.
Die A-Klarinette ist ein Nachbau von Rudolf Tutz senior in Innsbruck nach einem historischen Instrument von Heinrich Grenser, Dresden. Grenser gehörte zu den bedeutendsten Dresdner Holzblasinstrumentenmachern um 1800; seine Klarinetten wurden zu wichtigen Vorbildern für den historischen Instrumentenbau des 20. Jahrhunderts. Der Nachbau von Tutz bewahrt die charakteristischen Proportionen, die Bohrung und die Klappenanlage dieses Dresdner Instrumententyps.
Die C-Klarinette ist wiederum ein anonymes Originalinstrument. Ihre erhaltene Stempelung zeigt eine Krone und den Buchstaben C. Mehrere konstruktive Details sprechen für eine Dresdner Herkunft: insbesondere die charakteristische Form des Elfenbeinrings zwischen Ober- und Mittelstück, der entsprechende Elfenbeinring am Schalltrichter sowie die Gestaltung der F-Klappe. Solche Details finden sich regelmäßig an sächsischen, insbesondere Dresdner Klarinetten des frühen 19. Jahrhunderts.
Die Es-Klarinette trägt einen stark abgenutzten Stempel mit Krone. Nach dem gegenwärtigen Stand der Untersuchung lässt sich die Beschriftung möglicherweise als „Ignaz Schifferer“ lesen; das Instrument wird daher vorläufig Ignaz Schifferer zugeschrieben. Schifferer war zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Holzblasinstrumentenmacher tätig, und erhaltene Klarinetten aus seiner Werkstatt fallen genau in diese Zeit. Da der Stempel jedoch nur fragmentarisch lesbar ist, bleibt diese Zuschreibung bewusst vorläufig.
Zusammen bilden die vier Klarinetten ein anschauliches Panorama des Klarinettenbaus um 1800–1830: von der Dresdner Tradition Grensers über unterschiedliche regionale Originalinstrumente bis zu jener zunehmend komplexen Klappenmechanik, die den Weg zur voll entwickelten romantischen Klarinette bereitete.





Anonymes Bassetthorn, wohl ca. 1770–1790 auf 430'
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Wiederaufbau nach einem originalen Fragment
Dieses außergewöhnliche Bassetthorn geht auf ein original erhaltenes, anonymes Unterteil aus dem späten 18. Jahrhundert zurück. Erhalten blieb der charakteristische untere Korpusbereich mit dem sogenannten „Buch“ – jener für frühe Bassetthörner typischen Konstruktion, in der die verlängerte Bohrung mehrfach umgelenkt und zu den tiefsten Tönen des Instruments geführt wird.
In seiner Bauweise weist das Fragment deutliche Parallelen zu frühen Bassetthörnern der Wiener Klassik auf. Besonders nahe steht ihm konstruktiv das bei Thomas Grass und Dietrich Demus abgebildete anonyme Bassetthorn um 1810 aus dem Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen. Die ursprüngliche Klappenanlage des vorliegenden Fragments erscheint jedoch noch archaischer: Drücker für den linken kleinen Finger fehlen vollständig. Die tiefen Bassettklappen waren konsequent für die Bedienung mit dem Daumen eingerichtet. Diese ungewöhnlich einfache und frühe Konzeption sowie die ursprüngliche Anlage des Unterstücks sprechen für eine Entstehung bereits im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, möglicherweise um 1770–1790. Da das Instrument keine erhaltene Herstellersignatur trägt, muss diese Datierung jedoch als typologische Einordnung verstanden werden.
Vom historischen Instrument war lediglich der originale untere Holzteil erhalten. Auf dieser Grundlage wurde das Bassetthorn durch den Instrumentenmacher Riccardo von Vittorelli nach historischen Vorbildern wieder aufgebaut. Die fehlenden Korpusteile wurden rekonstruiert und zu einem wieder vollständigen Instrument zusammengefügt.
Eine weitere Phase des Wiederaufbaus betraf die Mechanik. Das ergänzte Klappensystem wurde spielpraktisch neu konzipiert, um den vollständigen Tonumfang und die Griffmöglichkeiten eines klassischen Bassetthorns wieder nutzbar zu machen. Dabei sollte nicht ein modernes Instrument im historischen Gewand entstehen, sondern ein spielbares Bassetthorn, dessen Konstruktion und Klangidee möglichst eng vom erhaltenen Originalfragment und von vergleichbaren Instrumenten des späten 18. Jahrhunderts ausgehen.
Das rekonstruierte Bassetthorn wurde auch für die CD-Aufnahme „Mozart Opera Arias“ verwendet. Damit lässt sich seine wiedergewonnene Klangwelt nicht nur organologisch beschreiben, sondern auch unmittelbar im Repertoire der Mozart-Zeit erleben.
So verbindet dieses Bassetthorn heute Originalsubstanz, historische Rekonstruktion und praktische Wiedergewinnung eines nahezu verlorenen Instrumententyps. Seine Entstehungs- und Wiederaufbaugeschichte macht es zugleich zu einem Zeugnis dafür, wie organologische Forschung, Instrumentenbau und historische Aufführungspraxis unmittelbar ineinandergreifen können.





Fünf Klarinetten des Müller-Typs in A, B, C, D und Es, ca. 1830–1850 auf 440'
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Diese fünf Klarinetten dokumentieren die Entwicklung des Klarinettenbaus in den Jahrzehnten nach Iwan Müllers grundlegender Reform der dreizehnklappigen Klarinette. Müllers System verbreitete sich seit den 1820er Jahren in ganz Europa und bildete für mehrere Jahrzehnte eine der wichtigsten Grundlagen für die weitere technische Entwicklung des Instruments.
Zur Gruppe gehören eine A-Klarinette von Guerre in Paris, eine B-Klarinette von Kaiser in Hamburg, eine C-Klarinette von Carl Grevé in Karlsruhe, eine D-Klarinette von Kaiser in Hamburg sowie eine Es-Klarinette von Martin Frères in Paris. Die fünf unterschiedlichen Stimmungen zeigen zugleich, dass trotz Müllers Idee einer „omnitonischen“ Klarinette weiterhin ganze Familien verschieden gestimmter Instrumente verwendet wurden.
Alle fünf Instrumente stehen grundsätzlich in der Tradition des Müller-Systems mit zahlreichen geschlossenen Klappen, verbesserter Polsterung und einer wesentlich vollständigeren Chromatik als bei den Klarinetten der klassischen Zeit. Zugleich zeigen sie unterschiedliche regionale Ausprägungen und Entwicklungsstufen dieses Systems.
Besonders interessant ist die B-Klarinette von Kaiser, Hamburg. An ihr ist eine spätere mechanische Veränderung deutlich erkennbar: Im Bereich der rechten Hand beziehungsweise am Unterstück wurden nachträglich zwei Ringmechanismen ergänzt. Die Spuren der Umarbeitung zeigen, dass diese nicht zur ursprünglichen Konstruktion gehörten. Hinzu kommen Rollen an den Kleinfingerklappen, die schnelle Griffwechsel erleichtern. Das Instrument ist damit ein anschauliches Beispiel dafür, wie eine ursprünglich dem Müller-System entsprechende Klarinette im Laufe ihrer Verwendung technisch weiterentwickelt und an neue spielpraktische Anforderungen angepasst wurde. Diese Ergänzungen weisen bereits in die Richtung späterer Ringklappensysteme, ohne dass das Instrument selbst bereits einem Sax-System entspricht.
Die C-Klarinette von Carl Grevé, Karlsruhe, vermutlich aus den 1840er Jahren, ist dagegen als geschlossenes, eigenständiges Instrument ihrer Bauzeit zu betrachten. Ihre Mechanik gehört weiterhin klar in die Müller-Tradition, zeigt jedoch bereits eine verfeinerte und weiterentwickelte Ausführung. Gerade im Vergleich mit den älteren Instrumenten der Gruppe wird sichtbar, wie sich das Grundprinzip des Müller-Systems innerhalb weniger Jahrzehnte technisch und ergonomisch differenzierte.
Die Instrumente von Guerre und Martin Frères in Paris vertreten die französische Ausprägung dieser Entwicklung, während Kaiser in Hamburg und Carl Grevé in Karlsruhe unterschiedliche deutsche Lösungen zeigen. Die Gruppe macht deutlich, dass der Weg von Müllers dreizehnklappiger Klarinette zu den späteren modernen Systemen nicht in einem einzigen Schritt verlief, sondern durch zahlreiche regionale Varianten, technische Verbesserungen und individuelle Werkstattlösungen geprägt war.
Zusammen bilden diese fünf Klarinetten ein besonders anschauliches Panorama der Klarinettenentwicklung zwischen etwa 1830 und 1850: fest im Müller-System verwurzelt, zugleich aber bereits auf dem Weg zu den komplexeren Mechanismen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.





Eugène Thibouville, Ivry-la-Bataille, ca. 1875–1890
Frühe Klarinette nach dem Böhm-System
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Ein bemerkenswert frühes Beispiel einer französischen Klarinette nach dem Böhm-System. Das Instrument zeigt noch deutlich den Übergang von der älteren Müller-Klarinette zur modernen Böhm-Konstruktion.
Besonders charakteristisch ist das Fehlen einer separaten Birne: Birne und Oberstück sind hier noch zu einem einzigen Bauteil zusammengefasst. Auch die Klappenmechanik bewahrt ältere Konstruktionsmerkmale. Die stark gewölbten, löffelförmigen Klappendeckel – sogenannte „salt-spoon keys“ – gehen unmittelbar auf die von Iwan Müller entwickelte Klappenform zurück und sind typisch für frühe Böhm-Klarinetten.
Bemerkenswert ist außerdem die sehr hohe Stimmung des Instruments. Es liegt deutlich über der heutigen Normalstimmung und nahezu einen Halbton über einer modernen B-Klarinette. Dies spricht dafür, dass die Klarinette wahrscheinlich für den Gebrauch in einer Blas- oder Militärkapelle gebaut wurde, wo im 19. Jahrhundert häufig wesentlich höhere Stimmungen verwendet wurden.
Das Instrument dokumentiert damit eine besonders interessante frühe Entwicklungsstufe des Böhm-Systems, in der die neue Ring- und Klappenmechanik bereits etabliert war, zahlreiche konstruktive Merkmale der Müller-Tradition jedoch noch beibehalten wurden.





Buffet Crampon „Professional“ Bassklarinette in B, bis tief C, 1977
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Diese Buffet-Crampon-Bassklarinette mit der Seriennummer 22063 stammt aus dem Jahr 1977 und gehört zu einer frühen Generation professioneller Buffet-Bassklarinetten mit erweitertem Tonumfang bis zum tiefen C.
Besonders charakteristisch ist der lange, hochgezogene versilberte Schallbecher, der sich deutlich von der kompakteren Bauform späterer Buffet-Bassklarinetten unterscheidet. Auch die Mechanik des tiefen Registers zeigt noch eine ältere Konstruktion: Die beiden tiefsten Tonlöcher und ihre Klappen sind anders angeordnet als bei den späteren Prestige-Modellen und dokumentieren eine frühe Entwicklungsstufe der modernen Tief-C-Mechanik.
Der Korpus besteht aus Grenadill, S-Bogen, Schallbecher und Mechanik sind versilbert. Das Instrument trägt lediglich die Modellbezeichnung „Professional“ und noch nicht die später gebräuchliche Bezeichnung „Prestige“.
Damit steht diese Bassklarinette an einem besonders interessanten Punkt in der Entwicklung der professionellen Buffet-Instrumente: Sie verbindet bereits den bis tief C erweiterten Tonumfang mit einer noch deutlich älteren konstruktiven Lösung des unteren Registers. Der lange Metallschallbecher und die frühe Tief-C-Mechanik machen sie zu einem charakteristischen Vertreter der Buffet-Bassklarinetten der 1970er Jahre.





Hermann Sauerhering, Magdeburg – Klarinetten in Es, C, B und A, ca. 1880
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Diese vier Klarinetten in Es, C, B und A stammen aus der Werkstatt von Hermann Sauerhering (1841–1909) in Magdeburg und bilden ein ungewöhnlich geschlossenes Ensemble deutscher Klarinetten aus der Zeit um 1880.
Sauerhering war einer der angesehenen deutschen Holzblasinstrumentenmacher des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Von 1875 bis 1880 arbeitete er gemeinsam mit J. Siering unter dem Namen Siering & Sauerhering; anschließend führte er die Werkstatt in Magdeburg unter eigenem Namen weiter. Aus seiner Werkstatt gingen später mehrere Instrumentenmacher hervor, die für die weitere Entwicklung des deutschen Klarinettenbaus von Bedeutung wurden.
Die Instrumente stehen konstruktiv in der Tradition des Baermann-Ottensteiner-Systems und zeigen eine bereits weit entwickelte Form der deutschen Klarinettenmechanik vor der späteren Standardisierung durch Oskar Oehler. Zusätzliche Klappen, Ringmechanismen und differenzierte Griffmöglichkeiten erweitern die ältere deutsche Bauweise, ohne ihren charakteristischen Klang- und Spieltypus aufzugeben.
Besonders bemerkenswert ist die Erhaltung einer nahezu vollständigen Instrumentenfamilie in vier verschiedenen Stimmungen. Es-, C-, B- und A-Klarinette zeigen, wie konsequent ein Instrumentenmacher derselben Werkstatt unterschiedliche Größen und Klangregister innerhalb eines gemeinsamen konstruktiven Konzepts realisierte.
Die B-Klarinette dieses Ensembles wurde für die Aufnahme der Brahms-Sonaten verwendet. Damit erklingt in dieser Aufnahme ein Instrument aus genau jener deutschen Klarinettentradition, in deren klanglichem Umfeld die Musik von Johannes Brahms entstand.





Vier Klarinetten der Baermann-Ottensteiner-Tradition, ca. 1879–1920
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Diese vier Klarinetten in A, B, C und Es erzählen auf ungewöhnlich anschauliche Weise die Geschichte der spätromantischen deutschen Klarinette – von der unmittelbaren Ottensteiner-Tradition des späten 19. Jahrhunderts bis zu ihrem Fortleben im frühen 20. Jahrhundert.
Das älteste und vielleicht außergewöhnlichste Instrument der Gruppe ist die A-Klarinette Ottensteiner–Hess, München, ca. 1879–1880. Nach dem Tod Georg Ottensteiners im Jahr 1879 wurde seine Werkstatt von Wilhelm Hess weitergeführt; erhaltene Instrumente dieser kurzen Übergangsphase verbinden unmittelbar die Konstruktion Ottensteiners mit der Werkstattnachfolge Hess. Bei diesem Instrument wurde die Mechanik später zusätzlich durch Heckel weiterentwickelt.
Von besonderer Bedeutung ist seine Provenienz: Ein Stempel der Bayerischen Hofoper sowie eine Inventarnummer zeigen, dass die Klarinette zum Instrumentenbestand der Münchner Hofoper gehörte und dort tatsächlich im professionellen Orchesterbetrieb verwendet wurde. Damit ist sie nicht nur ein seltenes Instrument, sondern zugleich ein unmittelbares Zeugnis der Münchner Orchester- und Opernpraxis des späten 19. Jahrhunderts.
Die B-Klarinette von Osterried & Gerlach, München, entstand wahrscheinlich um 1900. Anton Osterried führte die Tradition der Ottensteiner-Hess-Werkstatt weiter und vereinigte sie 1895 mit der Werkstatt von Johann Gottlieb Gerlach. Osterried & Gerlach blieben dem Baermann-Ottensteiner-System auch zu einer Zeit treu, als sich das spätere Oehler-System bereits zunehmend durchsetzte. Das Instrument gehört somit unmittelbar zur genealogischen Linie Ottensteiner – Hess – Osterried/Gerlach.
Die C-Klarinette von Heinrich Berthold, Stuttgart, dürfte etwa 1885–1900 entstanden sein. Berthold gehörte zu den angesehenen süddeutschen Holzblasinstrumentenmachern und führte den Titel eines Königlichen Hofinstrumentenmachers. Seine Werkstatt fertigte Klarinetten, Flöten, Oboen und Fagotte und verband sorgfältige handwerkliche Arbeit mit den damals fortschrittlichen deutschen Klappensystemen.
Die kleine Es-Klarinette von Alfred Meyer, Markneukirchen, ist wahrscheinlich etwas jünger und dürfte aus dem frühen 20. Jahrhundert, etwa 1905–1920, stammen. Sie zeigt besonders eindrucksvoll, dass die Baermann-Ottensteiner-Tradition mit ihrer charakteristischen Bohrung und Mechanik keineswegs mit dem Ende des 19. Jahrhunderts verschwand, sondern noch über Jahre neben den neueren Oehler-Systemen weitergebaut und gespielt wurde.
Zusammen bilden die vier Instrumente eine kleine Geschichte der deutschen spätromantischen Klarinette: von einem unmittelbar aus der Ottensteiner-Werkstatt hervorgegangenen Münchner Hofoperninstrument über die Nachfolgewerkstatt Osterried & Gerlach und den Stuttgarter Hofinstrumentenbau bis zur Weiterführung dieser Tradition im vogtländischen Markneukirchen.





V. Kohlert’s Söhne, Graslitz – Bassklarinette in B, ca. 1900–1915
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Diese spätromantische Bassklarinette in B stammt aus der renommierten Werkstatt V. Kohlert’s Söhne in Graslitz im böhmischen Musikinstrumentenbauzentrum des damaligen Österreich-Ungarn.
Die Firma geht auf Vincenz Kohlert (1817–1900) zurück, der 1840 in Graslitz eine eigene Holzblasinstrumentenwerkstatt gründete. Seine Söhne Rudolf, Daniel und Franz führten den Betrieb unter dem Namen V. Kohlert’s Söhne weiter und entwickelten ihn zu einem der bedeutenden Hersteller von Holzblasinstrumenten in Böhmen. Das Sortiment reichte von Flöten und Klarinetten bis zu Fagotten und Kontrafagotten.
Die Konstruktion dieser Bassklarinette verweist wahrscheinlich auf die Zeit um 1900 bis etwa 1915. Charakteristisch sind der lange hölzerne Korpus, der geschwungene metallene S-Bogen und der nach oben gerichtete Metalltrichter – eine Bauform, die für europäische Orchesterbassklarinetten um die Jahrhundertwende typisch war.
Besonders interessant ist der historische Tonumfang: Das Instrument reicht bis zum tiefen D, nicht bis zum heute üblichen tiefen C. Dieser Umfang ist charakteristisch für ältere deutsche und mitteleuropäische Bassklarinetten und dokumentiert eine Entwicklungsstufe vor den späteren, nach unten nochmals erweiterten modernen Orchesterinstrumenten.
Mit seiner aufwendigen Mechanik, dem dunklen Holzkorpus und dem großen Metalltrichter verkörpert das Instrument sehr anschaulich das Klang- und Konstruktionsideal der spätromantischen Bassklarinette an der Schwelle zum 20. Jahrhundert.





Zwei frühe Sopransaxophone, Paris, um 1890–1893
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Zwei seltene französische Sopransaxophone aus der Frühzeit der Entwicklung des Instruments. Ihre Bauweise und Mechanik stehen noch deutlich in der Tradition der Saxophone des 19. Jahrhunderts und zeigen einen Entwicklungsstand lange vor der späteren Standardisierung der modernen Saxophonmechanik.
Martin Thibouville Aîné, Paris, ca. 1890–1895 – Sopransaxophon in C
Martin Thibouville Aîné, 91 rue de Turenne, Paris. Ein besonders seltenes Sopransaxophon in C aus der ursprünglich für den Orchestergebrauch konzipierten C/F-Familie des Saxophons. Instrumente dieser Stimmung konnten sich gegenüber der für Militär- und Blasmusik etablierten B/Es-Familie nicht dauerhaft durchsetzen und sind heute entsprechend selten. Aufgrund der Firmenadresse und der bekannten Tätigkeit Martin Thibouvilles als Saxophonbauer ist das Instrument etwa auf 1890–1895 zu datieren.
Evette & Schaeffer / Buffet-Crampon & Cie, Paris, 1893 – Sopransaxophon in B
Evette & Schaeffer, Ancienne Maison Buffet-Crampon & Cie, 18 & 20 Passage du Grand-Cerf, Paris. Seriennummer 10216. Das Instrument entstand mit hoher Wahrscheinlichkeit 1893 und gehört damit zur frühen Produktion von Evette & Schaeffer nach der Übernahme des Hauses Buffet-Crampon. Es handelt sich um ein frühes Sopransaxophon in B mit einer für die Zeit charakteristischen Mechanik, die noch deutlich von späteren modernen Bauformen abweicht. Ein nahezu unmittelbar benachbartes Sopransaxophon mit der Seriennummer 10115 ist ebenfalls auf 1893 datiert.





Couesnon & Cie, Paris, ca. 1910 – Baritonsaxophon in Es, Série Monopole
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Frühes französisches Baritonsaxophon der renommierten Pariser Firma Couesnon & Cie, 94 rue d’Angoulême. Auf dem Schallbecher befindet sich die charakteristische Prägung „Exposition Universelle de Paris 1900 – Hors Concours – Membre du Jury“ sowie das Warenzeichen „Monopole“.
Die Série Monopole gehörte zu den hochwertigen professionellen Instrumentenlinien des Hauses Couesnon. Das Saxophon zeigt noch zahlreiche Merkmale der frühen Saxophonbauweise: eine im Vergleich zu modernen Instrumenten einfachere und weitgehend offen liegende Mechanik, große Klappendeckel, lange Klappenachsen und eine Konstruktion, die noch deutlich der französischen Saxophontradition des späten 19. Jahrhunderts verpflichtet ist.
Die Auszeichnung der Pariser Weltausstellung von 1900 bildet den frühestmöglichen Zeitpunkt für diese Stempelung. Aufgrund der Bauform und Mechanik ist eine Herstellung zwischen etwa 1905 und 1915, wahrscheinlich um 1910, anzunehmen. Damit dokumentiert das Instrument eine wichtige Übergangsphase zwischen den frühen Saxophonen des 19. Jahrhunderts und der später standardisierten modernen Bauweise.





Chalumeau Consort Moeck auf 440´
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Dieses Chalumeau-Consort stammt aus der historischen MOECK–Steinkopf-Serie. Seit den 1960er-Jahren fertigte MOECK in Celle nach den Rekonstruktionen des Pioniers Otto Steinkopf historische Holzblasinstrumente; die Chalumeaux orientierten sich dabei auch an erhaltenen Originalen in Stockholmer Sammlungen.
Die hier gezeigten vier Instrumente gehören zur dunkleren Holzausführung. Auf einem MOECK-Chalumeau in hellerer Holzausführung spielte Evgeni Orkin seine Telemann-CD ein.





Drei Klarinetten von Amlingue, Paris, ca. 1780–1790 auf 430'
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Diese drei originalen Klarinetten des Pariser Instrumentenmachers Amlingue stammen aus dem späten 18. Jahrhundert und sind auf etwa a¹ = 430 Hz gestimmt. Die Gruppe umfasst eine C-Klarinette aus den 1780er Jahren sowie eine B- und eine A-Klarinette aus den 1790er Jahren.
Besonders interessant ist die Konstruktion der frühen C-Klarinette. Bei ihr ist die später übliche Teilung in Unterstück und Trichter noch nicht ausgeführt: Unterstück und Trichter bestehen aus einem einzigen Stück.
Ebenso charakteristisch für diese Zeit ist die gemeinsame Verwendung desselben Mittelteils, des „Body“, für A- und B-Klarinetten. Der zentrale Instrumentenkörper konnte für beide Stimmungen beibehalten werden; zur Anpassung wurden lediglich Unterstück mit Trichter sowie Birne mit Mundstück ausgetauscht. Dieses Prinzip einer teilweise modularen Bauweise war im späten 18. Jahrhundert weit verbreitet und zeigt, wie flexibel die Instrumentenbauer bereits mit Mensur, Stimmung und Instrumentenlänge arbeiteten.
Die drei Instrumente dokumentieren damit sehr anschaulich sowohl eine ältere Bauform der C-Klarinette als auch die Austauschbarkeit wesentlicher Bauteile zwischen A- und B-Klarinette im französischen Klarinettenbau des ausgehenden 18. Jahrhunderts.





Zwei romantische Klarinetten mit Wechselkorpus, Pressburg und Fulda, ca. 1810–1835 auf 440'
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Die beiden Instrumente dokumentieren besonders anschaulich den Übergang von der klassischen zur romantischen Klarinette und zugleich eine für die Zeit charakteristische Form des Wechselinstruments. Zu beiden Klarinetten gehört ein zusätzliches Korpusmittelstück – ein sogenanntes „corps de rechange“ bzw. ein austauschbarer „Body“. Durch den Wechsel dieses Korpusteils konnte dasselbe Instrumentarium für A- und B-Klarinette eingerichtet werden, während wesentliche andere Bauteile weiterverwendet wurden. Diese ökonomische und zugleich praktische Bauweise war um 1800 und im frühen 19. Jahrhundert weit verbreitet.
Das frühere der beiden Instrumente ist eine frühromantische Klarinette mit acht Klappen, Franz Schöllnast, Pressburg, zugeschrieben, ca. 1810–1820. Das Instrument ist nicht eindeutig gestempelt; Konstruktion, Formgebung, Materialbehandlung und Anlage der Mechanik weisen jedoch deutliche Parallelen zu erhaltenen Instrumenten aus der Werkstatt Schöllnast auf. Franz Schöllnast (1775–1844) gehörte zu den bedeutenden Holzblasinstrumentenmachern in Pressburg und gründete dort um 1810 eine eigene Werkstatt. Er fertigte Klarinetten, Bassetthörner und zahlreiche weitere Blasinstrumente und war für seine experimentierfreudigen, technisch zunehmend komplexen Konstruktionen bekannt.
Die acht Klappen markieren bereits einen wichtigen Schritt über die klassische fünf- oder sechsklappige Klarinette hinaus. Zusätzliche Klappen verbesserten chromatische Verbindungen, Triller und problematische Gabelgriffe und erweiterten damit die technische Beweglichkeit des Instruments. Klarinetten dieser Bauart gehören unmittelbar in die Klangwelt der Beethoven-Zeit: Die zunehmende Erweiterung der Mechanik ermöglichte jene größere chromatische und tonartliche Flexibilität, die für das Orchester der mittleren und späten Beethoven-Symphonien immer wichtiger wurde.
Das zweite Instrument stammt von Johann Andreas Mollenhauer in Fulda und dürfte aufgrund seiner Bauweise und seiner deutlich erweiterten Klappenmechanik etwa zwischen 1825 und 1835 entstanden sein. Mollenhauer gründete seine Werkstatt 1822 in Fulda; bereits 1823 stellte er Klarinetten, Flöten und Oboen öffentlich aus. Er hatte während seiner Wanderjahre selbst bei bedeutenden Instrumentenmachern gearbeitet – bemerkenswerterweise auch bei Franz Schöllnast in Pressburg. Damit besteht zwischen diesen beiden Instrumenten nicht nur eine stilistische, sondern auch eine unmittelbare werkstattgeschichtliche Verbindung.
Die Mollenhauer-Klarinette zeigt bereits die entwickelte romantische Klarinette mit einer erheblich erweiterten Klappenanlage. Gegenüber dem Schöllnast zugeschriebenen Instrument ist die Mechanik dichter und komplexer; zusätzliche Klappen erlauben alternative Griffe, erleichtern chromatische Passagen und gleichen klanglich und intonatorisch schwierige Töne aus. Zugleich bleibt die ältere Idee des Wechselkorpus für A und B erhalten – ein interessantes Nebeneinander von traditioneller modularer Bauweise und zunehmend moderner Mechanik.
Zusammen zeigen die beiden Instrumente einen entscheidenden Abschnitt der Klarinettengeschichte: von der frühromantischen achtklappigen Klarinette um 1810/20 bis zur technisch wesentlich stärker ausgebauten romantischen Klarinette der 1820er und 1830er Jahre. Das erhaltene corps de rechange macht zugleich sichtbar, wie selbstverständlich A- und B-Klarinetten damals noch als eng miteinander verbundenes Instrumentensystem gedacht wurden.





Vier Klarinetten von Adler, Bamberg, um 1820–1825 auf 430'
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Diese vier originalen frühromantischen Klarinetten in A, B, C und Es stehen exemplarisch für den süddeutschen Klarinettenbau der Zeit um 1820. Drei Instrumente tragen die charakteristischen Merkmale der Werkstatt Adler in Bamberg; die A-Klarinette ist nicht eindeutig gestempelt, kann jedoch aufgrund ihrer konstruktiven Details, ihrer Formgebung und der Ausführung der Mechanik ebenfalls Adler, Bamberg, zugeschrieben werden.
Die Instrumente stehen in Verbindung mit Karl Friedrich Adler (1795–1888), der 1820 nach Bamberg kam und dort eine bedeutende Instrumentenbauerwerkstatt führte. Vergleichbare erhaltene Adler-Klarinetten aus Bamberg werden heute auf die Zeit um 1820–1825 datiert.
Charakteristisch für diese Instrumente ist der Übergang von der klassischen zur entwickelten romantischen Klarinette. Gegenüber den klassischen fünf- oder sechsklappigen Instrumenten des späten 18. Jahrhunderts ist die Mechanik deutlich erweitert. Zahlreiche zusätzliche Klappen erleichtern chromatische Verbindungen, alternative Griffe und Triller und ermöglichen eine zunehmend gleichmäßige Behandlung aller Tonarten. Diese Entwicklung gehört zu den wesentlichen Veränderungen des Klarinettenbaus im frühen 19. Jahrhundert.
Auffällig ist zugleich die unterschiedliche Verwendung von Materialien. Buchsbaum wird mit verschiedenartigen hellen und dunklen Ringen, Fassungen und Verbindungen sowie mit Metallklappen kombiniert. Zusammen mit den unterschiedlich ausgeführten Klappen, Klappenböcken und Verbindungsstücken verleiht dies jedem der vier Instrumente einen eigenen konstruktiven Charakter, obwohl ihre gemeinsame Herkunft und ihre enge zeitliche Verwandtschaft deutlich erkennbar bleiben.
Besonders wichtig ist die B-Klarinette von Adler, Bamberg, die nicht nur als historisches Sammlungsinstrument erhalten ist, sondern auch praktisch verwendet wurde. Auf diesem Instrument entstanden zwei CD-Aufnahmen: „Im Zeichen der Freundschaft“ mit den Klarinettenquintetten von Heinrich Joseph Baermann und Carl Maria von Weber sowie eine weitere Aufnahme mit Werken von Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Maria von Weber. Damit dokumentiert das Instrument nicht nur die Bauweise der frühromantischen Klarinette, sondern auch ihren charakteristischen Klang im Repertoire jener Epoche.





Bassettklarinette von Friedrich August Peuckert, Breslau, ca. 1805–1815 auf 430'
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Originalinstrument in A mit rekonstruiertem Bassett-Unterstück und Corps de rechange in B
Diese außergewöhnliche Bassettklarinette basiert auf einem originalen A-Instrument von Friedrich August Peuckert in Breslau aus dem frühen 19. Jahrhundert. Zum erhaltenen Originalbestand gehören zwei Mundstücke, die Birne, Oberstück und Mittelstück sowie ein charakteristischer birnenförmiger d’Amore-Trichter – ein sogenannter Liebesfuß. Ein originales Unterstück war dagegen nicht erhalten.
Die historische Einordnung des Instruments ist besonders interessant. Friedrich August Peuckert betrieb seine Breslauer Werkstatt im frühen 19. Jahrhundert; ein erhaltenes Vergleichsinstrument wird um 1815 datiert. Vor allem aber ist Peuckert bereits 1806 als Hersteller von Bassettklarinetten nachgewiesen. In einer zeitgenössischen Anzeige berichtete er von einer für den Klarinettisten und Bassetthornisten Vincent Springer aus Amsterdam entwickelten neuen Art von B-Klarinette, die nur wenig gebogen war, bis zum tiefen C reichte und sich durch einen besonders schönen Ton auszeichnete. In der späteren organologischen Literatur wird dieses Instrument als Bassettklarinette beziehungsweise als eine neue Form der Clarinette d’amour interpretiert.
Der erhaltene birnenförmige Liebesfuß des vorliegenden A-Instruments passt bemerkenswert gut in diesen Zusammenhang. Die Verbindung von Klarinette und d’Amore-Trichter war um 1800 keineswegs ungewöhnlich: Auch Anton Stadler beschäftigte sich mit einer solchen Verbindung, und die ikonographische Überlieferung seiner Bassettklarinette zeigt eine abgewinkelte Konstruktion mit einem charakteristischen, nach Art eines Liebesfußes gestalteten Schallbecher. Da kein originales Instrument Stadlers erhalten ist, bleiben die Einzelheiten seiner Bassettklarinetten allerdings Gegenstand der Rekonstruktion.
Auf Grundlage der originalen Peuckert-Teile wurde das Instrument durch Riccardo von Vittorelli wieder zu einer spielbaren Bassettklarinette vervollständigt. Er rekonstruierte das fehlende Unterstück mit den Bassettklappen, wodurch der Tonumfang bis in die für die historische Bassettklarinette charakteristische tiefe Lage erweitert wurde. Zusätzlich entstand ein Corps de rechange in B, so dass das Instrument – entsprechend einer im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert verbreiteten Praxis – in verschiedenen Stimmungen verwendet werden kann.
Für die Rekonstruktion der A-Fassung wurde zugleich die besondere Bauform der mit Anton Stadler und Mozart verbundenen Bassettklarinette berücksichtigt. Mozarts Klarinettenquintett KV 581 und sein Klarinettenkonzert KV 622 entstanden für Stadlers Bassettklarinette in A mit chromatisch erweitertem tiefem Register. Die bekannte Darstellung aus Stadlers Rigaer Konzertprogramm zeigt eine charakteristisch abgewinkelte Bauform; historische und moderne Rekonstruktionen verbinden diese mit einem Knie und einem d’Amore- beziehungsweise Liebesfuß-artigen Schallbecher. Für B-Bassettklarinetten ist dagegen auch eine wesentlich gestrecktere Bauweise dokumentiert – Peuckerts Instrument für Vincent Springer wurde 1806 ausdrücklich als „kaum gebogen“ beschrieben.
Auf dieser Grundlage entstand nicht die freie Neuschöpfung eines modernen Instruments, sondern die historisch informierte Vervollständigung eines umfangreich erhaltenen originalen Peuckert-Instruments. Originale Bauteile, der ungewöhnliche d’Amore-Trichter, die rekonstruierte Bassettmechanik und das zusätzliche B-Wechselstück verbinden sich zu einem Instrument, das zugleich ein historisches Original und eine spielpraktische Rekonstruktion darstellt.
Gerade diese Mehrschichtigkeit macht die Bassettklarinette besonders interessant: Sie dokumentiert einerseits die Experimentierfreude des Klarinettenbaus um 1800 und die enge Verbindung zwischen Klarinette d’amour, Bassettklarinette und Bassetthorn, andererseits macht sie eine Instrumentenform wieder spielbar, die unmittelbar mit der Klangwelt von Mozart, Stadler und den Klarinettenvirtuosen des frühen 19. Jahrhunderts verbunden ist.





Altklarinette in F – Buffet Crampon, Paris, ca. 1845 auf 440'
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Bei diesem außergewöhnlichen Instrument handelt es sich ausdrücklich um eine Altklarinette in F von Buffet Crampon und nicht um ein Bassetthorn. Nach Auskunft der Firma Buffet Crampon lässt sich das Instrument auf etwa 1845 datieren – also unmittelbar in jene Phase, in der sich die französische Klarinette von der Müller-Tradition zum neuen, von Klosé und Buffet entwickelten Böhm-System wandelte.
Die Mechanik dokumentiert diesen Übergang besonders anschaulich. Elemente der frühen Böhm-Konstruktion sind bereits deutlich vorhanden: die Ringklappen, die Verbindung der H- und Cis-Mechanik am Unterstück sowie die charakteristische Anordnung mehrerer Klappen am Oberstück. Gleichzeitig ist die Mechanik noch nicht vollständig in der später standardisierten Form ausgeführt. Besonders auffällig sind die beiden vom rechten kleinen Finger bedienten Klappen für C und Es, deren Anordnung noch deutlich an ältere Konstruktionsprinzipien erinnert. Damit steht das Instrument unmittelbar zwischen der erweiterten Müller-Klarinette und der sich gerade etablierenden französischen Böhm-Klarinette.
Neben dem historischen Buffet-Crampon-Stempel trägt das Instrument an mehreren Teilen auffällige großformatige Zahlenmarkierungen 22 und 23. Solche Markierungen sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine frühere Verwendung in einem militärischen Musikkorps; eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten Einheit ist aufgrund der Zahlen allein derzeit jedoch nicht möglich.
Eine besondere historische Verbindung besteht zu Iwan Müller. Neben seiner grundlegenden Reform der Klarinette entwickelte Müller auch eine gerade Altklarinette in F, mit der er eine handlichere Alternative zum sperrigen und geknickten Bassetthorn suchte. Müller selbst trat mit diesem Instrument konzertierend auf und machte damit den tiefen Klarinettentyp als eigenständiges Soloinstrument bekannt. Zur musikalischen Praxis seiner Zeit gehörten Fantasien, Variationen und Potpourris über populäre Opernmelodien, in denen Virtuosen die klanglichen und technischen Möglichkeiten ihrer Instrumente präsentieren konnten.
Aus dieser historischen Idee entstand das Album "Opera Alta". Die Aufnahme greift bewusst die Verbindung zwischen der Altklarinette in F, dem Virtuosentum des frühen 19. Jahrhunderts und der damaligen Begeisterung für Opernmelodien auf. Eingespielt wurden Bearbeitungen und Opernpotpourris für Altklarinette in F und Streichquartett. Das verwendete Buffet-Crampon-Instrument von etwa 1845 gehört bereits einer späteren Entwicklungsstufe an als die Altklarinette, auf der Iwan Müller selbst spielte, steht jedoch unmittelbar in der von ihm begründeten Tradition.





Frühe Böhm-Klarinetten von Buffet Crampon und Selmer Paris, 1888–1929 auf 440'
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Diese Gruppe dokumentiert die Entwicklung der französischen Böhm-Klarinette vom späten 19. bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
Auf dem großen Foto sind vier frühe Buffet-Crampon-Klarinetten in unterschiedlichen Stimmungen zu sehen. Das älteste Instrument stammt aus dem Jahr 1888; die Es-Klarinette wurde 1899, die A-Klarinette 1904 gebaut. Die Instrumente zeigen eine bereits weit entwickelte Form des Böhm-Systems, bewahren jedoch noch charakteristische Merkmale des Klarinettenbaus des 19. Jahrhunderts.
Besonders auffällig ist, dass die Instrumente weiterhin keine separate Birne besitzen: Die Birne ist noch unmittelbar in das Oberstück integriert. Dadurch verbinden diese Klarinetten die moderne Böhm-Mechanik mit einer älteren konstruktiven Tradition. Die unterschiedlichen Größen und Stimmungen zeigen zugleich, wie konsequent Buffet Crampon das Böhm-System bereits um 1900 auf eine ganze Klarinettenfamilie übertrug.
Auf den darunter gezeigten Detailaufnahmen sind außerdem zwei Selmer-Paris-Klarinetten in A und B aus dem Jahr 1929 zu sehen. Sie gehören bereits zu einer späteren Generation französischer Böhm-Klarinetten und zeigen die Weiterentwicklung hin zum modernen Instrument des 20. Jahrhunderts.
Besonders interessant ist ihr früher Selmer-Stempel mit dem Adler über dem Firmennamen. Mit diesem Adlerstempel ist eine unter Klarinettisten und Sammlern überlieferte Legende verbunden: Instrumente mit diesem Zeichen sollen persönlich von Henri Selmer geprüft worden sein. Historisch ist diese Überlieferung nicht eindeutig belegt, sie gehört jedoch zu den reizvollen Geschichten rund um die frühen Selmer-Instrumente.
Zusammen bilden diese Buffet- und Selmer-Klarinetten eine kleine Chronologie der französischen Böhm-Klarinette: von den noch deutlich im 19. Jahrhundert verwurzelten Buffet-Instrumenten der Jahre um 1888–1904 bis zu den bereits wesentlich moderner konzipierten Selmer-Klarinetten von 1929.





Georg Jakob Berthold, Speyer – Klarinetten in C, B und A, ca. 1860–1880
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Dieses außergewöhnliche Ensemble aus drei Klarinetten in C, B und A stammt aus der Werkstatt von Georg Jakob Berthold (1824–1904) in Speyer, einem der angesehenen süddeutschen Holzblasinstrumentenmacher des 19. Jahrhunderts.
Berthold entstammte einer Drechslerfamilie und sammelte während seiner Lehr- und Wanderjahre Erfahrungen in Bayreuth, Paris, München und Wien, bevor er 1849 seine eigene Werkstatt in Speyer gründete. Seine Instrumente genossen bereits zu Lebzeiten einen ausgezeichneten Ruf. Erst 1883 traten seine drei Söhne als Partner in die Werkstatt ein; von diesem Zeitpunkt an firmierte das Unternehmen als Georg Berthold & Söhne.
Die Signatur BERTHOLD / SPEYER und die Konstruktion dieser Instrumente sprechen für eine Entstehung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wahrscheinlich etwa zwischen 1860 und 1880.
Besonders bemerkenswert ist, dass alle drei Klarinetten auf ungefähr a¹ = 438 Hz stehen. Damit bilden sie ein seltenes, nahezu vollständig erhaltenes Ensemble in drei verschiedenen Stimmungen bei gleicher Grundästhetik und annähernd identischem Stimmton.
Die Instrumente zeigen sehr anschaulich die hochentwickelte süddeutsche Klarinettenbaukunst der romantischen Epoche: traditionelle deutsche Mechanik, sorgfältige handwerkliche Verarbeitung und eine Konstruktion, die noch deutlich vor der späteren Standardisierung der Klarinette liegt.
Als zusammengehörende Gruppe in C, B und A ermöglichen sie einen außergewöhnlich direkten Vergleich der unterschiedlichen Klangfarben und Proportionen innerhalb der Werkstatt eines einzigen bedeutenden Instrumentenmachers.





Drei spätromantische Klarinetten – Baermann-Ottensteiner-System, ca. 1880–1895
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Diese drei Klarinetten in C, B und A dokumentieren eine besonders interessante Phase des deutschen Klarinettenbaus im ausgehenden 19. Jahrhundert. Alle drei Instrumente stehen in der Tradition des Baermann-Ottensteiner-Systems – jener hochentwickelten deutschen Mechanik, die sich aus der Müller-Klarinette entwickelte und unmittelbar zur späteren Oehler-Klarinette führte.
Die C-Klarinette von Bertsch, Mannheim, vermutlich aus den 1880er Jahren, repräsentiert die südwestdeutsche Klarinettenbautradition dieser Epoche. Über die Werkstatt Bertsch sind heute nur wenige gesicherte biographische Angaben greifbar; das erhaltene Instrument selbst ist daher ein umso interessanteres Zeugnis des regionalen Instrumentenbaus. Seine aufwendige Mechanik zeigt deutlich, wie weit das deutsche Klarinettensystem zu dieser Zeit bereits entwickelt war.
Die B-Klarinette von Theodor Poppe, Dresden, entstand wahrscheinlich um 1890–1895. Theodor Karl Poppe (1865–1934) gründete 1887 seine eigene Werkstatt in Dresden und gehörte zu den angesehenen deutschen Holzblasinstrumentenmachern seiner Generation. Das Instrument steht bereits an der Schwelle zwischen dem ausgereiften Baermann-Ottensteiner-System und jener weiteren mechanischen Entwicklung, die schließlich zur modernen deutschen Klarinette des Oehler-Typs führte.
Die A-Klarinette von Gustav Ludwig „Louis“ Penzel, New York, stammt wahrscheinlich aus den 1880er Jahren. Penzel (1855–1920) war ein in Deutschland ausgebildeter Instrumentenmacher, der sich 1882 in New York niederließ. Gemeinsam mit seinem Bruder Gustav Frederick Penzel, ebenfalls Klarinettist und Mitglied des Orchesters der Philharmonic Society of New York, aus der das heutige New York Philharmonic hervorging, gründete er zunächst die Firma G. L. Penzel & Brother.
1899 ging Louis Penzel eine Partnerschaft mit Edward Georg Müller (1869–1956) ein, einem Enkel des berühmten Klarinettisten und Instrumentenreformers Iwan Müller. Aus dieser Verbindung entstand die Firma Penzel & Müller, die im 20. Jahrhundert zu den bekannten amerikanischen Klarinettenherstellern gehörte. Die hier gezeigte A-Klarinette dokumentiert damit die frühe Phase einer Werkstatttradition, die später die amerikanische Klarinettenkultur nachhaltig mitprägen sollte.
Diese A-Klarinette wurde auch für die Aufnahme des Albums „Liebesbriefe“ verwendet, darunter für die Quintette von Johannes Brahms und Robert Schumann. Damit ist auf der Aufnahme ein originales spätromantisches Instrument aus genau jener deutsch geprägten Klarinettentradition zu hören, aus der auch Penzel selbst hervorging.
Zusammen bilden die drei Instrumente ein faszinierendes Panorama der spätromantischen Klarinette: drei Hersteller, drei Städte auf zwei Kontinenten und drei Stimmungen – C, B und A – verbunden durch dieselbe konstruktive Grundidee. Ihre reich entwickelte Mechanik mit zusätzlichen Klappen, Ringen und mechanischen Verbindungen zeigt das Baermann-Ottensteiner-System in einer seiner ausgereiftesten Formen unmittelbar vor der Entstehung des modernen Oehler-Systems.





Theodore Berteling, New York – B-Klarinette, ca. 1890
Erweitertes Simple System
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Diese Klarinette entstand um 1890 in der New Yorker Werkstatt von Theodore Berteling (1821/22–1890), einem der bedeutenden amerikanischen Holzblasinstrumentenmacher deutscher Herkunft im 19. Jahrhundert. Berteling stammte aus Westfalen und gründete seine New Yorker Werkstatt bereits 1848. Unter dem Namen T. Berteling & Co. entwickelte sich das Unternehmen zu einem angesehenen Hersteller von Klarinetten, Flöten, Oboen und anderen Holzblasinstrumenten.
Das Instrument steht konstruktiv in der Tradition des Simple Systems, das aus der Müller- und späteren Albert-Klarinette hervorging. Die Grundidee des älteren Griffsystems wird jedoch durch zusätzliche Klappen, Ringe und mechanische Verbindungen deutlich erweitert. Solche Instrumente werden heute als erweitertes bzw. enhanced Simple System bezeichnet. Sie verbinden die charakteristische Bohrung und Griffweise der älteren deutschen Klarinettentradition mit einer wesentlich größeren chromatischen Flexibilität.
Gerade in den Vereinigten Staaten blieb diese weiterentwickelte Simple-System-Klarinette bis weit in das späte 19. Jahrhundert hinein von großer Bedeutung. Berteling gehörte zu den New Yorker Instrumentenmachern, die diese Tradition auf hohem handwerklichem Niveau weiterführten und an die Bedürfnisse amerikanischer Orchester- und Blasmusiker anpassten. Vergleichbare Berteling-Klarinetten aus den Jahren um 1880–1890 befinden sich heute in bedeutenden Museumssammlungen.
Dieses Instrument wurde auch für die Aufnahme des Albums „American Dream“ verwendet. Damit erklingt auf der Aufnahme tatsächlich ein amerikanisches Instrument aus jener Epoche, deren Musik und Klangwelt das Programm widerspiegelt.





Oskar Oehler – Klarinetten in Es, B und A, Berlin, ca. 1890–1905
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Diese drei originalen Klarinetten von Oskar Oehler dokumentieren besonders anschaulich die Entwicklung von der Baermann-Ottensteiner-Mechanik zum später nach Oehler benannten deutschen Klarinettensystem.
Die Es-Klarinette, um 1890, weist noch weitgehend die ältere Baermann-Ottensteiner-Mechanik auf und gehört damit zu einer frühen Entwicklungsstufe, von der Oehler bei seinen späteren Verbesserungen ausging.
Die B- und A-Klarinetten, um 1905, zeigen bereits das eigentliche Oehler-System in einer frühen Form. Sie tragen den Stempel „Oskar Oehler, Berlin – Gesetzlich geschützt“. Ihre Mechanik entspricht jedoch noch nicht der später vollständig ausgebauten Voll-Oehler-Ausführung: Insbesondere fehlt die später hinzugefügte Mechanik zur Verbesserung der tiefen Töne E und F.
Zusammen bilden die drei Instrumente ein außergewöhnliches Ensemble, an dem sich die Entwicklung der deutschen Klarinette vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert unmittelbar nachvollziehen lässt.





Buffet-Crampon & Cie, Paris, ca. 1868 – Altsaxophon in Es
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Buffet-Crampon & Cie, 22 Passage du Grand-Cerf, Paris. Frühes französisches Altsaxophon aus der ersten Generation der von Buffet-Crampon gebauten Saxophone. Die Firma begann um 1866, unmittelbar nach dem Auslaufen der ursprünglichen Patentrechte Adolphe Sax’ in Frankreich, mit der Herstellung eigener Saxophone.
Bauweise und Mechanik stehen noch deutlich in der unmittelbaren Tradition der frühen Sax-Instrumente und unterscheiden sich in zahlreichen Details von den später standardisierten Saxophonen des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Neben dem Herstellerstempel trägt das Instrument einen kleinen ovalen Stempel „M. M. N° 1“. Vergleichbare frühe Buffet-Crampon-Saxophone mit entsprechenden M.M.-Markierungen sind als Instrumente aus französischem Militärbesitz dokumentiert. Die Zahl dürfte daher eine militärische Inventar- oder Bestandsnummer und keine Seriennummer des Herstellers darstellen.
Aufgrund der frühen Firmenadresse, der Bauform und vergleichbarer erhaltener Instrumente ist eine Datierung um 1868wahrscheinlich. Das Saxophon gehört damit zu den frühesten erhaltenen Instrumenten aus der Saxophonproduktion von Buffet-Crampon.





